Prometheus: Jeff Bezos‘ AI-Startup tritt aus dem Schatten mit einer Bewertung von 41 Milliarden Dollar
LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Jeff Bezos hebt den Vorhang: Sein KI–Startup Prometheus hat am Donnerstag offiziell den Schleier der Geheimhaltung gelüftet und beeindruckt mit Zahlen, die selbst in der aktuellen Welle von KI-Investitionen herausstechen. Das Unternehmen hat insgesamt 12 Milliarden Dollar an Kapital eingesammelt und wird mit 41 Milliarden Dollar bewertet. Damit gehört Prometheus zu den am höchsten bewerteten KI-Startups weltweit, bevor es überhaupt ein Produkt vorgestellt hat.
Zusammen mit Bezos, der einen erheblichen Teil des Kapitals bereitstellt, stehen namhafte Investoren hinter dem Unternehmen: JPMorgan, BlackRock und Goldman Sachs sowie die Wagniskapitalgesellschaften DST Global und Arch Venture Partners. Bereits im November 2025 hatte das Startup initial 6,2 Milliarden Dollar an Finanzierungen gesichert.
Für Bezos ist Prometheus mehr als nur ein weiteres Investitionsvehikel. Zum ersten Mal seit seinem Rücktritt als CEO von Amazon im Juli 2021 übernimmt der Tech-Milliardär wieder eine operative CEO-Rolle – gemeinsam mit dem Co-CEO Vik Bajaj, einem Professor an der Stanford University School of Medicine und Mitbegründer des Forschungsunternehmens Verily von Alphabet. Bezos äußerte kürzlich, dass ihn das Projekt so sehr begeistert, dass er erheblich Zeit und Energie investiert. KI dominiert mittlerweile sein gesamtes unternehmerisches Schaffen: ob bei Amazon, wo er als Executive Chairman bleibt, bei seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin oder bei Prometheus – das Thema steht überall im Mittelpunkt, so Bezos gegenüber CNBC.
Mit diesem Schritt reiht sich der Amazon-Gründer in einen bemerkenswerten Trend ein: Die Gründungsgeneration von Big Tech kehrt persönlich in den Ring zurück. Google-Mitbegründer Sergey Brin hat sich wieder nach Mountain View begeben, wo er aktiv an den Gemini-Modellen arbeitet; Larry Page soll Berichten zufolge Dynatomics, ein KI-Startup für die Fertigungsindustrie, aufbauen; und Meta-CEO Mark Zuckerberg hat die KI-Entwicklung zu einer seiner höchsten persönlichen Prioritäten erklärt, einschließlich persönlicher Rekrutierungskampagnen für führende Forscher. Der KI-Wettlauf ist nicht länger nur ein Wettbewerb zwischen Unternehmen, sondern zwischen deren Gründern.
Prometheus: Ein „Artificial General Engineer“ für die physische Wirtschaft
Aber was genau verfolgt Prometheus? Das Unternehmen will für Ingenieurwesen und Fertigung das tun, was große Sprachmodelle für Texte getan haben. Bezos spricht von einem „artificial general engineer“ – einem KI-System, das es Ingenieuren erheblich erleichtern soll, physische Objekte zu entwerfen, von Wolkenkratzern über Smartphones bis hin zu Jettriebwerken. Anstatt Texte aus dem Internet zu extrahieren, trainiert Prometheus seine Modelle mit Daten aus der physischen Welt: festgelegte physikalische Gesetze, eigene Testdaten und Informationen aus Kooperationen mit Fertigungsunternehmen, deren Namen man nicht preisgibt.
Die Rechnung von Bezos ist einfach: Wenn ein Projekt, das heute 100 Ingenieure zehn Jahre beschäftigt, in Zukunft von zehn Ingenieuren in einem einzigen Jahr bewältigt werden kann, werden viel mehr Dinge einfach gebaut. Er weist Bedenken hinsichtlich von Arbeitsplatzverlusten zurück – im Gegenteil, er prognostiziert einen Arbeitskräftemangel, da KI das Bauen neuer Dinge günstiger und einfacher machen wird. Für die Arbeiter ist KI wie ein „Bagger statt einer Schaufel“, sagt er.
Prometheus hat ausdrücklich nichts mit Robotik zu tun, betont Bezos. Das Unternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter an Standorten in San Francisco, London und Zürich, betreibt ein eigenes großes GPU-Cluster und ist aktiv auf der Suche nach Talenten von OpenAI, Google DeepMind und Nvidia. Über den zweiten Teil ihrer Vision äußern sich die Co-CEOs bisher weitgehend still: Laut Berichten planen sie, ein Portfolio an Unternehmen im Stil von Berkshire Hathaway aufzubauen, das die KI-Modelle von Prometheus nutzt, um bestehende Industriegrößen zu akquirieren oder neue Wettbewerber von Grund auf zu schaffen – ein direkter Vorstoß in die physische Wirtschaft, vergleichbar mit der Art und Weise, wie LLMs derzeit die Wissensarbeit umwälzen.
Industrielle KI: Mistral setzt ebenfalls auf diese Richtung
Prometheus ist nicht allein auf diesem Weg. Auch in Europa hat die industrielle KI in letzter Zeit erheblich an Schwung gewonnen: Der französische KI-Champion Mistral AI hat gerade das in Linz ansässige Deep-Tech-Startup Emmi AI für weit über 200 Millionen Euro übernommen, berichten Brancheninsider. Das Unternehmen, das erst Ende 2024 von Johannes Brandstetter, Dennis Just und Miks Mikelsons gegründet wurde, entwickelt sogenannte Large Engineering Models: physikbasierte KI-Modelle, die Prozesse wie Luftströmung, Thermodynamik und Materialverformung in Echtzeit simulieren, mit dem Ziel, die Entwicklungszyklen in Branchen wie Automobil, Energie, Halbleiter und Luftfahrt drastisch zu verkürzen.
Mit der Übernahme wird Linz zu einem offiziellen Mistral-Standort neben Paris, London und San Francisco; Brandstetter wird als Vizepräsident die Abteilung AI for Science leiten. Die Parallele zu Prometheus ist offensichtlich: Auf beiden Seiten des Atlantiks setzen KI-Unternehmen darauf, dass der nächste große Sprung nicht von Chatbots, sondern von Modellen kommen wird, die die physische Welt verstehen – und helfen, sie schneller, günstiger und präziser zu bauen.
In den USA verfolgt Periodic Labs, gegründet von Forschern führender KI-Unternehmen, einen ähnlichen Ansatz und zielt darauf ab, KI zur Beschleunigung von Entdeckungen in Physik und Chemie einzusetzen. Der Wettlauf um die „KI für die physische Wirtschaft“, wie Prometheus selbst seine Mission beschreibt, hat offiziell begonnen.




