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Europa im Quantenrennen: Von der Forschung zur strategischen Infrastruktur

2. Juni 2026 um 00:13·LGR Reutlingen Redaktion
Europa im Quantenrennen: Von der Forschung zur strategischen Infrastruktur

LGR Reutlingen – 02 Juni 2026 | Quantencomputing ist in Europa längst mehr als nur ein theoretisches Forschungsfeld. Mit einem investierten Betrag von 11 Milliarden Euro, einer neuen Strategie der Europäischen Kommission und der Unterstützung aufstrebender Unternehmen entwickelt sich Europa zu einem ernsthaften Akteur im digitalen Zeitalter. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat der Kontinent zwar hervorragende Forschung und hochqualifizierte Ingenieure hervorgebracht, jedoch versäumt, eigene Technologieplattformen zu etablieren und die Vorreiterrolle in der technologischen Entwicklung zu übernehmen. Das Quantencomputing könnte nun der erste größere Technologiezyklus sein, in dem sich dieses Muster grundlegend ändert.

In den politischen Diskussionen der europäischen Hauptstädte wird der Einsatz von Quantentechnologien zunehmend als Schlüssel zur wirtschaftlichen Resilienz, industriellen Wettbewerbsfähigkeit und geopolitischen Unabhängigkeit betrachtet. Die Rhetorik hat sich entsprechend gewandelt: Begriffe wie „Quantensouveränität“, „sichere Kommunikationsinfrastruktur“ und „strategische Autonomie“ haben die akademische Sprache abgelöst.

Der Anreiz dafür ist klar: Quantencomputing berührt mehrere kritische Bereiche, die seit der Covid-Pandemie und dem Ukraine-Krieg auf der europäischen Sicherheitsagenda stehen. Dazu gehören die Abhängigkeiten in der Cloud-Infrastruktur, die Verwundbarkeit von Halbleiter-Lieferketten und die Notwendigkeit, die Verteidigungsfähigkeit Europas zu stärken.

Die EU-Quantenstrategie 2025

Die von der Europäischen Kommission im Jahr 2025 vorgestellte „Quantum Europe Strategy“ soll diese Prioritäten in einem konsistenten Rahmen bündeln. Ziel ist es, Europa bis 2030 nicht nur als Forschungsstandort, sondern auch als industriellen und infrastrukturellen Akteur im Quantenbereich zu etablieren. Die Strategie fokussiert sich auf fünf zentrale Handlungsfelder:

  • Forschung und Innovation im Quantenbereich
  • Aufbau einer europäischen Quanteninfrastruktur
  • Industrialisierung des Quantenökosystems
  • Dual-Use-Anwendungen für Verteidigung und Sicherheit
  • Fachkräfteentwicklung und Ausbildungskapazitäten

Im Detail plant die Kommission, die EuroHPC-Quantenkapazitäten zu erweitern, ein Pilotprojekt für ein europäisches Quanteninternet zu initiieren, sichere Quanten-Lieferketten aufzubauen und Quantenkommunikation in bestehende Programme wie Galileo und IRIS² zu integrieren.

Anders als bei früheren digitalen Umbrüchen hat Europa nun substanzielle Grundlagen, auf denen es aufbauen kann. Das Ökosystem umfasst unter anderem:

  • Die Fraunhofer-Institute in Deutschland, die sich auf angewandte Industrieforschung konzentrieren
  • Das niederländische QuTech-Ökosystem als europäisches Kompetenzzentrum
  • Die finnische Forschung im Bereich supraleitender Quantentechnologie
  • Staatlich geförderte Quanteninitiativen in Frankreich
  • Das European Quantum Industry Consortium (QuIC), welches als Vernetzungsplattform für Start-ups, Konzerne, Investoren und Forschungseinrichtungen fungiert

Die Einschätzung der europäischen Quantenindustrie ist eindeutig: „Das Haupthindernis ist heute weniger die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, sondern die kommerzielle Skalierung und industrielle Umsetzung.“ Die Industrialisierungsphase hat bereits begonnen, was sich in den jüngsten Schritten von Unternehmen zeigt.

Deutschland als Testfeld industrieller Anwendung

Deutschland hat sich als das zentrale Testfeld für die Quantenambitionen Europas etabliert. Bereits 2021 wurde in Kooperation zwischen IBM und einem Fraunhofer-Konsortium der erste kommerzielle Quantencomputer Europas installiert, mit dem Ziel, Datenhoheit nach europäischem Recht zu gewährleisten und die Abhängigkeit von außer-europäischen Technologiekonzernen zu verringern.

Industrieanwendungen wurden rasch entwickelt: Volkswagen setzt Quantenannealer für Verkehrsfluss-Simulationen ein, während BMW Optimierungsprobleme in der Fertigungsrobotik untersucht. Der Vorteil dieser Technologie liegt in ihrer Überlegenheit bei gewissen hochkomplexen Optimierungsproblemen, was sie für Unternehmen besonders attraktiv macht.

Prof. Anita Schöbel, Direktorin des Fraunhofer ITWM Kaiserslautern, erklärt: „Wir arbeiten an stochastischen partiellen Differentialgleichungen wie den Fokker-Planck-Gleichungen zur Entwicklung von Batterien, Windturbinen oder für quantitative Finanzwesen. Diese Gleichungen lassen sich in quantenmechanische Formen umwandeln, die Quantencomputer wesentlich schneller lösen könnten.“

Neben der Rechenleistung und den Industrieanwendungen gewinnt ein weiteres Thema zunehmend an Bedeutung: der Schutz bestehender digitaler Infrastrukturen vor zukünftigen Quantenangriffen. Cyberangriffe könnten bereits heute verschlüsselte Daten abgreifen, um sie später mit künftigen Quantencomputern zu entschlüsseln. Dies betrifft nicht nur Verteidigungssysteme, sondern auch Finanzdaten, Gesundheitsinformationen und industrielles Know-how.

Für Europa ist dieses Szenario besonders relevant, da die europäische Wirtschaft stark auf vernetzte Infrastrukturen und regulierte Sektoren angewiesen ist. Ein zukünftiger Vertrauensverlust in kryptografische Grundlagen könnte weitreichende Folgen für Finanzwesen, Energieversorgung, Verkehr und öffentliche Verwaltung haben. Daher gewinnt die Migration zu sogenannter Post-Quantum-Kryptografie (PQC) in den Sicherheitsstrategien von Europa und den USA zunehmend an Priorität.

Parallel zu den Hardwareherstellern entsteht eine neue Schicht von Unternehmen, die sich mit der Integration und Steuerung hybrider Rechensysteme befassen. Ein Beispiel ist das kanadische Unternehmen SuperQ Quantum Computing, das mit seiner Plattform „Super“ und der ChatQLM-Architektur darauf abzielt, Rechenlasten dynamisch zwischen klassischen Hochleistungsrechnern und Quantenplattformen zu verteilen.

Für die europäische Perspektive ist die Partnerschaft mit dem Fraunhofer ITWM von Bedeutung. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit sollen die Orchestrierungstechnologien von SuperQ in industriellen Simulationsumgebungen getestet werden, mit einem besonderen Fokus auf Logistik, Fertigung, Energie und Finanzwesen.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt jedoch eine Portion Skepsis angebracht. Der Sektor sieht sich mit Bewertungen konfrontiert, die häufig der kommerziellen Realität vorauslaufen. Die Umsätze sind im Vergleich zu dem hohen Interesse der Investoren relativ gering, und viele Unternehmensanwendungen befinden sich noch in Pilotphasen ohne breiten Produktiveinsatz.

  • Europas führende Quantenunternehmen stehen vor der Herausforderung, von Forschungsexzellenz zu nachhaltiger Kommerzialisierung zu gelangen.
  • Die Orchestrierungsebene, die SuperQ und andere anstreben, ist stark umkämpft von Cloud-Hyperscalern, Technologiekonzernen und spezialisierten Start-ups.
  • Ob Industrieunternehmen in der Lage sind, ihre Anwendungen breit zu skalieren oder vorerst in Pilotprojekten zu verharren, bleibt abzuwarten.

Die entscheidende Frage im Rennen um das Quantencomputing wird sich nicht allein an der Anzahl der funktionierenden Qubits messen. Vielmehr wird es darauf ankommen, wer die Infrastrukturstandards, Sicherheitsarchitekturen und Softwarebasen der nächsten Rechnergeneration definiert. Europas Stärken in industriellen Systemen, regulierten Infrastrukturen, angewandter Mathematik und Cybersicherheit könnten in diesem Kontext wertvoller sein als die Plattformdominanz, die früheren digitalen Wellen zugrunde lag. Die Region hat langjährige Erfahrung darin, Technologien in kritische Infrastrukturen und industrielle Prozesse zu integrieren, doch ob dieses Potenzial in Marktpositionen übersetzt wird, hängt von der praktischen Umsetzung ab.

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