Tschss Jugend Zwei: Leipzigs größtes DIY‑Festival wächst weiter
LGR Reutlingen – 22 Juni 2026 | Das Festival Tschss Jugend Zwei startet vom 19. bis 21. Juni 2026 und verwandelt erneut die Leipziger Neustadt sowie die angrenzende Vorstadt in einen pulsierenden Musikparcours. Mehr als hundert Bands treten auf über zehn Locations – von kleinen Clubs bis zu improvisierten Freiluftbühnen – und zeigen damit, dass das DIY‑Prinzip nach wie vor ein starkes Gegengewicht zu kommerziellen Großevents bildet.
Tschss Jugend Zwei: Das Konzept im Detail
Wie im Vorjahr bleibt das Grundgerüst des Festivals unverändert: kompakte Bühnen, kurze Wege und ein Mix aus internationalen Headlinern und regionalen Newcomern. Die Veranstalter Lars Pler und Tobias Hornung, die seit Jahren DIY‑Shows in Dresden organisieren, haben das Line‑up für 2026 bewusst ausgedehnt. Während 2025 noch sechs Locations und 45 Acts das Programm bestimmten, zählen es nun elf Veranstaltungsorte und über einhundert Acts. Die Erweiterung ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ: Neben etablierten Namen wie Turbostaat, The Flatliners und Dune Rats treten nun auch die kanadische Punk‑Band Basement sowie die US‑Hardcore‑Gruppe Fiddlehead auf.
Die neuen Locations zeigen, wie flexibel das Festival mit urbanen Räumen umgeht. Die Schauburg und das Thalia‑Kino werden zu Konzertbühnen umfunktioniert, die Chemiefabrik in der Leipziger Vorstadt bietet ein industrielles Flair, und Katys Garage wird zur Pistons Stage. Bewährte Klassiker wie die Groovestation, das Loft House oder die HD Rock‑Metalbar bleiben erhalten, sodass Besucher*innen zwischen den Bühnen mühelos hin- und herwechseln können – ein Konzept, das das Festival als „Club‑Hopping‑Erlebnis“ vermarktet.
Ein Blick auf das Line‑up
Internationales Renommee trifft auf lokale Vielfalt. Auf der Chemiefabrik öffnen Basement und Fiddlehead die Tore für das Publikum, während die abschließende Show in der Groovestation von Turbostaat besetzt wird. Dune Rats aus Australien, die kalifornischen The Flatliners und die schwedische Punk‑Band Casey sorgen für abwechslungsreiche Klanglandschaften, während Militarie Gun und High Vis das Publikum mit härteren Tönen herausfordern.
Die Region Leipzig ist nicht zu kurz gekommen: Remo, The Melmacs und die aufstrebende Gruppe beryou sichern sich ebenfalls Auftritte. beryou spielt im Ostpol, einer ehemaligen Sauna, die zu einer nostalgischen Open‑Air‑Bühne umgebaut wurde – ein Beispiel dafür, wie das Festival ungenutzte städtische Räume kreativ nutzt.
Ein weiteres Highlight ist die Album‑Release‑Show der US‑Band Between Bodies, die am Samstag in der Schauburg stattfindet. Neben den Konzerten gibt es im Thalia‑Kino eine kostenfreie Open‑Air‑Bühne auf dem Scheune‑Vorplatz, die den Besucher*innen jederzeit freien Eintritt ermöglicht.
Das umfangreiche Line‑up wird über die Plattform Tixforgigs.com und die offizielle Festival‑Website www.farewellyouth.com vertrieben. Die Organisatoren betonen, dass sämtliche Erlöse aus dem Ticketverkauf an Kinderhilfsorganisationen in Dresden gehen – ein weiterer Beleg für den gemeinnützigen Charakter des Events.
Die Idee zum Festival lässt sich auf das Reeperbahn‑Festival in Hamburg zurückführen, das als Vorbild für ein unabhängiges, musikzentriertes Ereignis diente. Pler und Hornung haben ihr Netzwerk aus jahrelanger DIY‑Show‑Organisation genutzt, um Bands ohne große Agentur zu buchen. Das Ergebnis ist ein Festival, das sich durch Authentizität, niedrige Eintrittspreise und ein starkes Community‑Feeling auszeichnet.
Ein besonderes Merkmal des diesjährigen Events ist die offene Fenster‑Bühne am Horst, die im Vorjahr noch als zentraler Treffpunkt diente. Dieses Jahr wird das Konzept durch das Thalia‑Kino ersetzt, das mit großen Fensterflächen zur Straße hin eine offene Atmosphäre schafft. Besucher*innen, die keinen Platz mehr im Inneren finden, können von draußen zuhören – ein Hinweis darauf, dass das Festival nicht nur ein Konzert, sondern ein urbanes Erlebnis sein will.
Die wirtschaftliche Bedeutung von Tschss Jugend Zwei für die Leipziger Musikszene darf nicht unterschätzt werden. Neben der direkten Wertschöpfung durch Ticketverkäufe und Gastronomie generiert das Festival indirekt Einnahmen für lokale Geschäfte, Hostels und Anreisende. Für viele junge Bands stellt das Festival zudem eine Plattform dar, um überregionales Publikum zu erreichen und Kontakte zu Booking‑Agents zu knüpfen.
Langfristig könnte das Wachstum des Festivals ein Signal für die zunehmende Bedeutung von DIY‑Events in einer Zeit sein, in der große Streaming‑Plattformen und digitale Konzerte an Dominanz gewinnen. Der Fokus auf physische Begegnungen, lokales Engagement und soziale Verantwortung könnte als Gegenmodell zu den profitgetriebenen Großveranstaltern gelten.
Ob das Festival in den kommenden Jahren weiter expandieren wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Tschss Jugend Zwei im Juni 2026 erneut ein Magnet für Musikliebhaber, Branchenakteure und Kulturinteressierte aus ganz Europa sein wird – ein Beleg dafür, dass Leipzigs unabhängige Musikszene weiterhin vital und innovationsfreudig ist.




