Einsatz autonomer Drohnen: Russische Soldaten in der Ukraine getötet
LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | In einem beunruhigenden Schritt, der Ethik und internationale Normen in Frage stellt, haben autonome Drohnen ohne menschliche Kontrolle russische Soldaten in der Ukraine getötet. Dies berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist unter Berufung auf Alexander Kokhanovskyy, einen führenden Vertreter der ukrainischen Verteidigungsindustrie. Der Vorfall, der sich bereits vor etwa zwei Jahren im Rahmen einer ukrainischen Gegenoffensive ereignete, wirft Fragen zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Krieg auf.
Der Test, der im Raum Bachmut und Tschassiw Jar stattfand, beinhaltete den Einsatz von zehn KI-gesteuerten Quadcoptern. Diese Drohnen wurden so programmiert, dass sie selbstständig in Richtung Frontlinie flogen, wo sie in einen Angriffsmodus wechselten. In diesem Modus waren sie in der Lage, eigenständig Ziele ausfindig zu machen und anzugreifen, ohne dass eine Verbindung zu den Drohnen bestand. Es gab keinen Videofeed, keine Möglichkeit zum Eingreifen und auch keine Option, den Angriff abzubrechen.
Nach dem Einsatz dieser autonomen Drohnen mussten bemannte Drohnen das Gebiet überfliegen, um die Ergebnisse zu überprüfen. Laut Kokhanovskyy wurden mehrere russische Soldaten getötet und ein Lastwagen zerstört. „Wir haben es ausprobiert“, erklärte er, betonte jedoch, dass das System nie in größerem Umfang eingesetzt wurde.
Ukraine verbietet den Einsatz von KI in finalen Angriffen
Eine bemerkenswerte Wendung in diesem Kontext ist, dass die Ukraine derzeit den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der letzten Phase der Zielbekämpfung verbietet. Während KI-gestützte Technologien zur Zielerfassung, Navigation und zum Tracking bereits auf den Schlachtfeldern Standard sind, muss die finale Entscheidung über Leben und Tod nach wie vor von einem Menschen getroffen werden. Kokhanovskyy gab jedoch an, dass die ukrainische Regierung bereits mit Verteidigungsunternehmen darüber verhandelt, diese Regeln zu lockern.
Ein hochrangiger Offizier des 21. Regiments für unbemannte Systeme bestätigte, dass zwar teilautonome Systeme eingesetzt werden, die Ziele automatisch erfassen und in den letzten Metern selbstständig ansteuern können, jedoch keine vollautonomen Systeme ohne die Beteiligung eines Operators. Die Ukraine verpflichtet sich, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren.
Auf internationaler Ebene gibt es bislang kein umfassendes Verbot für tödliche autonome Waffensysteme, obwohl UN-Generalsekretär António Guterres wiederholt ein solches gefordert hat. Die Bedenken sind erheblich: Autonome Systeme könnten gegen humanitäres Völkerrecht verstoßen, eigene Truppen angreifen oder Zivilisten treffen, ohne dass jemand die Verantwortung trägt. Mariarosaria Taddeo, Ethikerin an der Universität Oxford, bezeichnete das Töten durch KI als zutiefst verwerflich, da es den getöteten Soldaten die Würde und den Angreifern die Verantwortung entziehe.
Bereits 2021 hatte ein UN-Bericht nahegelegt, dass eine türkische Kargu-2-Drohne in Libyen autonom Menschen angegriffen haben könnte, ohne dass die Opfer jedoch je bestätigt wurden. Auch die jüngsten Berichte über ukrainische KI-Drohnen, die ohne menschliches Eingreifen Ziele angreifen, bezogen sich bisher auf Fahrzeuge wie Panzer und nicht auf Infanterie.
Kokhanovskyy ist mittlerweile CEO des Drohnenherstellers Aero Center, der an autonomen Abfangdrohnen zur Bekämpfung von russischen Shahed-Kamikazedrohnen arbeitet. Das System ALITA soll ab Oktober mit 64 Drohnen auf 16 Startrampen einsatzbereit sein und Ziele mit Geschwindigkeiten von bis zu 450 km/h abfangen. Allerdings muss die finale Freigabe weiterhin durch einen Menschen erteilt werden, ein Umstand, den Kokhanovskyy gerne ändern würde.
Die Entwicklungen rund um autonome Drohnen und ihre Auswirkungen auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine sind ein alarmierendes Zeichen für die Zukunft der Kriegsführung. Die Frage, wer letztendlich die Verantwortung trägt, wenn KI-basierte Systeme in den Einsatz kommen, bleibt weiterhin unbeantwortet und könnte weitreichende Konsequenzen für die internationale Gemeinschaft haben.






