Mit Shannon-Entropie zum Wordle-Sieg: Eine mathematische Strategie aus den 1940ern

LGR Reutlingen – 18 Juni 2026 | Wordle, das tägliche Worträtsel der New York Times, hat Millionen Spieler weltweit in seinen Bann gezogen. Doch während die meisten auf Bauchgefühl und häufige Vokale setzen, zeigt eine aktuelle Studie: Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Linguistik, sondern in der Mathematik – genauer gesagt in der Shannon-Entropie, einem Konzept aus den 1940er Jahren. Wer Wordle schlagen will, sollte eine 1940er mathematische Theorie ausprobieren, die auf Informationstheorie basiert.
Warum Vokale allein nicht reichen
Die typische Wordle-Strategie setzt auf Wörter wie ADIEU, die viele gängige Vokale enthalten. Eine Analyse der New York Times über eine Milliarde Spiele zeigte jedoch, dass ADIEU zwar der beliebteste Startbegriff ist, aber keineswegs der effizienteste. Forscher der Binghamton University in New York gingen das Problem daher grundlegend anders an. Statt das Wort direkt erraten zu wollen, optimierten sie ihre Züge darauf, die größtmögliche Informationsmenge zu gewinnen – und zwar mithilfe der Shannon-Entropie.
„Indem wir die Shannon-Entropie anwenden, verschiebt sich das Ziel von der Wahrscheinlichkeit, richtig zu liegen, hin zur Maximierung der erwarteten Unsicherheitsreduktion“, erklärt Congyu (Peter) Wu, Co-Autor der Studie und Systemtechniker. Sein Team veröffentlichte die Ergebnisse im Northeast Journal of Complex Systems. Der Ansatz: Jeder Rateversuch verringert die Entropie, also die Ungewissheit über das gesuchte Wort. Wer die Entropie am schnellsten senkt, gewinnt.
Das klingt abstrakt, ist aber hochwirksam. In Tests löste die entropiebasierte Methode das Rätsel in 99 Prozent der Fälle – im Vergleich zu 90 Prozent bei der herkömmlichen Vokalstrategie. Wer Wordle schlagen will, sollte eine 1940er mathematische Theorie ausprobieren, die genau diese Effizienzsteigerung ermöglicht.
Die Theorie hinter dem Spiel
Die Shannon-Entropie stammt aus Claude Shannons bahnbrechender Arbeit „A Mathematical Theory of Communication“ von 1948. In der Informationstheorie misst sie die durchschnittliche Informationsmenge, die in einer Nachricht steckt. Übertragen auf Wordle bedeutet das: Jeder Buchstabe, jede Farbänderung (grau, gelb, grün) liefert Daten, die den Suchraum eingrenzen. Ein guter Zug ist nicht der, der das Wort errät, sondern der, der die meisten Kandidaten eliminiert.
Die Binghamton-Forscher programmierten ein System, das nach jedem Zug die verbleibenden Möglichkeiten berechnet und den nächsten Vorschlag so wählt, dass die Entropie maximal sinkt. Das Ergebnis: durchschnittlich weniger Versuche und eine nahezu perfekte Erfolgsquote. Die Studie zeigt, dass eine Strategie, die Unsicherheit reduziert, tatsächlich besser abschneidet als der direkte Lösungsversuch.
Doch ist das für den Alltagsspieler praktikabel? Eher nicht. Denn die Methode erfordert einen Computer, der parallel zum Spiel läuft und jede Rückmeldung verarbeitet. Das mag für Hardliner reizen, nimmt aber das menschliche Element – und genau das macht Wordle laut vielen Spielern aus. „Ich will nicht wissen, wie der Trick funktioniert. Ich will nur staunen“, schrieb Jason Riggle, Linguistikprofessor an der University of Chicago, in einem Blogbeitrag. Er selbst habe einen Algorithmus geschrieben, um das Spiel zu „schlagen“, aber schnell gemerkt, dass es den Spaß verdirbt. „Wenn die Optimierung perfekt ist, wählt man nur noch aus, was der Computer vorgibt – die Freude am eigenen Gespür für Buchstaben und Wortklänge geht verloren.“
Mit anderen Worten: Der Kampf ist das Spiel. Wer Wordle schlagen will, sollte eine 1940er mathematische Theorie ausprobieren, aber vielleicht lieber nicht zu konsequent. Denn am Ende ist Wordle mehr als ein Rätsel – es ist ein tägliches Ritual, das Köpfchen und Kreativität fordert. Die Shannon-Entropie mag die perfekte Lösung liefern, aber die Unvollkommenheit macht den Reiz aus.
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