Handel warnt vor überzogenen KI-Regeln der EU: EuroCommerce fordert praxisnahe Leitlinien

LGR Reutlingen – 20 Juni 2026 | Der europäische Handelsverband EuroCommerce schlägt Alarm: Die geplanten Transparenzregeln des EU AI Act drohen nach Ansicht der Organisation zu weit zu gehen und den Handel unnötig zu belasten. In einem Schreiben an die EU-Kommission fordert der Verband klarere und praxisnahe Leitlinien – und warnt vor überzogenen KI-Regeln der EU, die mehr schaden als nutzen könnten.
Hintergrund ist die geplante Auslegung der Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte, die nach einer Verschiebung nun ab Ende 2026 gelten soll. EuroCommerce befürchtet, dass die aktuelle Interpretation zu breit gefasst ist und auch alltägliche, nicht irreführende Inhalte erfasst. „Wir sehen die Gefahr, dass Unternehmen gezwungen sein könnten, eine Vielzahl von Inhalten zu kennzeichnen, die gar keine Täuschungsabsicht haben“, heißt es in dem Schreiben. Betroffen wären etwa bearbeitete Produktbilder oder KI-gestützte Marketingmaterialien – Inhalte, die im Online-Handel längst Standard sind.
Handel warnt vor überzogenen KI-Regeln der EU: Die Gefahr der „Disclosure Fatigue“
Eine pauschale Kennzeichnungspflicht könnte laut EuroCommerce zu einer Überlastung der Verbraucher führen. Wenn zu viele Inhalte als KI-generiert gekennzeichnet werden, verliere die Kennzeichnung an Aussagekraft. Dieses Phänomen der „Disclosure Fatigue“ könne dazu führen, dass Nutzer Hinweise ignorieren und somit der eigentliche Zweck der Transparenzregelungen unterlaufen wird. Der Verband warnt daher vor überzogenen KI-Regeln der EU, die am Ende mehr Verwirrung stiften als Klarheit schaffen.
„Es ist ein schmaler Grat zwischen Verbraucherschutz und Überregulierung“, kommentiert ein Branchenkenner. „Wenn die Kennzeichnungspflicht zu einer inflationären Flut an Warnhinweisen führt, wird der Verbraucher abstumpfen – und die Warnungen verlieren ihre Wirkung.“
EuroCommerce fordert daher eine präzisere Differenzierung zwischen täuschenden Inhalten und üblichen kommerziellen Anwendungen von KI. Insbesondere müsse klargestellt werden, dass nur Inhalte mit tatsächlichem Täuschungsrisiko – etwa durch Identitätsnachahmung oder irreführende Simulationen – unter strengere Transparenzpflichten fallen. „Wir brauchen klare Kriterien, damit Unternehmen wissen, was genau gekennzeichnet werden muss und was nicht“, so der Verband.
Die praktischen Herausforderungen für Unternehmen sind erheblich. Technische Lösungen zur Kennzeichnung und Erkennung von KI-Inhalten seien noch nicht ausgereift und schwer standardisierbar. Zudem seien viele Unternehmen auf externe KI-Systeme angewiesen, was die Kontrolle über die Einhaltung der Vorgaben zusätzlich erschwere. „Der Handel warnt vor überzogenen KI-Regeln der EU, weil die technischen Voraussetzungen für eine flächendeckende Kennzeichnung schlichtweg noch nicht gegeben sind“, betont EuroCommerce.
Angesichts der geplanten Anwendung der Vorschriften ab August 2026 plädiert der Verband für Übergangslösungen. Diese sollen insbesondere für risikoarme Inhalte gelten und Unternehmen Zeit geben, praktikable Lösungen zu entwickeln. Ziel müsse es sein, den Verbraucherschutz zu stärken, ohne Innovationen im Handel unnötig zu bremsen.
Die Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Kommission die finale Ausgestaltung der Leitlinien vorbereitet. Der AI Act, der als weltweit erstes umfassendes KI-Gesetz gilt, soll ein Gleichgewicht zwischen Innovation und Risikominimierung schaffen. Doch die Stimmen aus der Wirtschaft werden lauter, die eine Überregulierung befürchten. Der Handel warnt vor überzogenen KI-Regeln der EU und fordert mehr Augenmaß.
Branchenbeobachter sehen in der Debatte einen grundsätzlichen Konflikt: Während die Politik möglichst umfassende Transparenz anstrebt, um Bürger vor Täuschung zu schützen, fürchtet die Wirtschaft einen bürokratischen Mehraufwand, der vor allem kleine und mittlere Unternehmen hart treffen könnte. „Die EU muss aufpassen, dass sie mit ihren Regeln nicht den digitalen Fortschritt ausbremst“, warnt ein Analyst.
Ob die EU-Kommission auf die Forderungen von EuroCommerce eingehen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Diskussion um den AI Act ist noch lange nicht abgeschlossen. Und der Handel wird weiterhin genau beobachten, wie die finalen Leitlinien ausgestaltet werden – und ob die Warnungen vor überzogenen KI-Regeln der EU Gehör finden.



