Amazon setzt auf Offshore-Wind: Strom fr eine Million Haushalte Amazon investiert in Ostsee-Windkraft
LGR Reutlingen – 22 Juni 2026 | Der Handelsherr Amazon hat einen der größten Stromabnahmeverträge in Europa unterschrieben: Strom fr eine Million Haushalte Amazon investiert in Ostsee-Windkraft. Im Rahmen eines Power Purchase Agreements (PPA) sichert sich das Unternehmen 600 Megawatt aus dem geplanten Offshore‑Windpark Gennaker, der etwa 15 Kilometer nördlich der Halbinsel Fischland‑Dar‑Zingst vor der Küste Mecklenburg‑Vorpommerns entstehen soll. Rechnerisch reicht die erwartete Jahresproduktion aus, um den Strombedarf von mehr als einer Million deutscher Haushalte zu decken.
Strom fr eine Million Haushalte Amazon investiert in Ostsee-Windkraft – Projekt Gennaker im Fokus
Der Windpark Gennaker wird aus 63 Turbinen bestehen, die zusammen eine Spitzenleistung von bis zu 976,5 MW erreichen können. Der Baubeginn ist für den Sommer 2026 geplant, die Inbetriebnahme soll Ende 2028 erfolgen. Amazon nimmt zwar nicht die gesamte Leistung des Parks ab, doch mit den vertraglich zugesicherten 600 MW erlangt das Unternehmen einen bedeutenden Anteil an der geplanten Produktion. Damit erweitert Amazon sein deutsches Portfolio auf zwölf Wind‑ und Solarprojekte mit einer Gesamtkapazität von über 1,3 GW.
Der Vertrag liefert nicht nur Planungssicherheit für den Projektentwickler Skyborn Renewables, sondern erleichtert auch die Finanzierung des Vorhabens. Langfristige PPAs gelten als stabilisierender Faktor im Finanzierungsumfeld von erneuerbaren Großprojekten, weil sie den Investoren garantierte Einnahmenströme zusichern. In Zeiten volatiler Strommärkte ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Für Amazon ist die Absicherung von 600 MW besonders wichtig, weil der Konzern einen enormen Strombedarf hat – nicht nur für seine Logistikzentren, sondern auch für die ständig wachsenden Rechenzentren im Cloud‑Geschäft. Der vereinbarte Strom muss nicht zwingend an Amazon‑Standorten fließen; vielmehr geht es um die Menge, die aus dem Windpark bezogen wird, und um die Möglichkeit, den gekauften Strom in das allgemeine Netz einzuspeisen, von wo er nach Bedarf abgerufen werden kann.
Das Investitionsvolumen des Gennaker‑Projekts wird auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Ein Teil der Lieferkette bleibt regional: Die Fundamente der Windräder sollen bei EEW Special Pipe Constructions in Rostock gefertigt werden. Durch diese lokale Wertschöpfung entstehen neue Aufträge und Arbeitsplätze in Mecklenburg‑Vorpommern, ein Aspekt, den sowohl Amazon als auch Skyborn in ihrer Kommunikation betonen.
Die strategische Bedeutung des Projekts lässt sich nicht allein an den reinen Zahlen ablesen. Der Ausbau von Offshore‑Windenergie in der Ostsee ist Teil einer breiteren europäischen Zielsetzung, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bis 2030 auf mindestens 40 % zu erhöhen. Deutschland hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt, und Großunternehmen wie Amazon tragen durch solche PPAs aktiv zur Erreichung dieser Ziele bei. Gleichzeitig positionieren sie sich als Vorreiter in der Unternehmensverantwortung für den Klimaschutz.
Der Windpark Gennaker reiht sich in die wachsende Reihe von Offshore‑Windprojekten ein, die bereits in der Nordsee und Ostsee in Betrieb genommen wurden oder in naher Zukunft starten. Während in der Nordsee bereits mehrere große Anlagen laufen, eröffnet das Gennaker‑Projekt neue Potenziale für die ostsee‑nahe Region, die bislang weniger erschlossen war. Die geografische Lage bietet günstige Windbedingungen, gleichzeitig ist die Anbindung an das bestehende Stromnetz gut ausgebaut, was die Integration der erzeugten Energie erleichtert.
Ein kritischer Punkt bleibt jedoch die Genehmigungsphase. Der Bau von Offshore‑Windparks erfordert umfangreiche Umweltprüfungen, Genehmigungen von Bundes- und Landesbehörden sowie Abstimmungen mit den Schifffahrts- und Fischereigemeinden. Skyborn berichtet, dass die behördlichen Verfahren bereits weit fortgeschritten sind, jedoch könnten unerwartete Auflagen den Zeitplan beeinflussen.
Aus Sicht von Analysten bietet das Projekt eine interessante Fallstudie für die Rolle von Großabnehmern im Ausbau erneuerbarer Energien. Während früher vor allem Energieversorger und staatliche Institutionen die Nachfrage nach grüner Energie bestimmten, verschieben jetzt Technologie– und Logistikgiganten wie Amazon das Kräfteverhältnis. Dieser Trend könnte künftig zu einer stärkeren Marktintegration von PPAs führen, wobei Unternehmen nicht nur ihre eigene Nachhaltigkeitsbilanz verbessern, sondern auch zur Risikominimierung von Projektentwicklern beitragen.
Die langfristige Perspektive für Amazon ist zudem eng verknüpft mit dem Konzept “Shipment Zero”, das das Unternehmen 2021 vorgestellt hat. Das Ziel: den CO₂‑Ausstoß der gesamten Lieferkette bis 2040 zu neutralisieren. Die Investition in Gennaker ist ein konkreter Baustein, um die notwendige Menge an sauberer Energie zu sichern. Kritiker bemängeln jedoch, dass solche Projekte allein nicht ausreichen, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, wenn nicht gleichzeitig ein umfassender Umbau der gesamten Lieferkette erfolgt.
Abschließend lässt sich festhalten, dass das Vorhaben von Amazon und Skyborn Renewables ein bedeutendes Signal an die Energiebranche sendet: Der Markt für Offshore‑Wind wird zunehmend von privaten, nicht‑energiesektor‑spezifischen Akteuren mitgestaltet. Das schafft neue Finanzierungswege, erhöht den Wettbewerb und kann letztlich zu niedrigeren Strompreisen für Endverbraucher führen – ein Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen.




