Mercedes-AMG setzt auf Wachstum: 27 neue Modelle bis 2028 angekündigt
LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Mercedes-AMG plant 27 neue Modelle bis 2028 und will damit das ambitionierte Ziel von 200.000 Fahrzeugen pro Jahr bis 2030 erreichen. In einer Investor*innen‑Präsentation in Los Angeles wurde das Vorhaben vorgestellt, das die Hochleistungsmarke von Mercedes‑Benz in den kommenden Jahren maßgeblich prägen soll.
Der aktuelle Jahresabsatz lag bei rund 145.000 Einheiten – ein Plus von fast 38 % gegenüber dem Vorjahr und ein deutlicher Sprung gegenüber den 69.000 Fahrzeugen im Jahr 2015. Das Wachstum soll vor allem durch ein breit aufgestelltes Portfolio getrieben werden, das von neu entwickelten Verbrennungsmotoren bis hin zu rein elektrischen Hochleistungsmodellen reicht.
Mercedes-AMG plant 27 neue Modelle bis 2028 – Strategie im Überblick
Chef der Submarke, Michael Schiebe, betonte in einem Bloomberg‑Interview, dass alle 27 Fahrzeuge bereits in der Entwicklungsphase seien. Die Modelle decken unterschiedliche Fahrzeugklassen, Segmente und Antriebsarten ab und sollen innerhalb der nächsten 36 Monate auf den Markt kommen. Damit will AMG nicht nur das eigene Verkaufsvolumen steigern, sondern auch das übergeordnete US‑Ziel von 400.000 Einzelhandelsverkäufen jährlich bis Ende des Jahrzehnts unterstützen.
Ein Drittel der AMG‑Verkäufe entfällt bereits heute auf die USA – der wichtigste Einzelmarkt trotz harter Konkurrenz von BMW, Porsche und Audi. Adam Chamberlain, Leiter von Mercedes‑Benz USA, sieht die Submarke als stabiles Fundament für das Unternehmen in Nordamerika. Gleichzeitig prüft AMG Potenziale in Europa, Asien und dem Nahen Osten, um das globale Wachstum zu sichern.
Ein zentraler Baustein der Wachstumsstrategie ist die Motoren‑Portfolio‑Optimierung. Im zweiten Halbjahr 2026 soll ein neuer V‑8‑Motor eingeführt werden, ergänzt durch einen modernen Sechszylinder. Die Zahl der Motorvarianten wird von zehn auf vier reduziert, um Entwicklungs‑ und Produktionskosten zu senken und gleichzeitig die Emissionsvorgaben zu erfüllen. Beide Verbrennungsmotoren wurden gezielt auf die Bedürfnisse der US‑Kundschaft ausgerichtet und sollen mehr Leistung sowie Effizienz bieten.
Der Schritt in die Elektromobilität wurde im Mai mit dem GT 4‑Door Coupe markiert. Das Fahrzeug verfügt über drei Axialfluss‑Elektromotoren, die künftig exklusiv AMG‑Modellen vorbehalten bleiben. Schiebe positioniert das Modell als Elektroauto für Fahrer*innen, die kein Kompromiss beim Fahrerlebnis eingehen wollen. Die US‑Auslieferungen sind für 2026 geplant, weitere Elektro‑Modelle folgen: ein SUV, der komplett in Affalterbach entwickelt wird, und eine SUV‑Coupé‑Variante.
Die Konkurrenz im Hochleistungssegment bleibt intensiv. BMWs M‑Submarke, Audis S‑ und RS‑Linien sowie Cadillacs V‑Series bilden ein starkes Wettbewerbsfeld. Auch neue Player wie Genesis mit der Magma‑Marke oder Infiniti mit sportlichen Varianten des QX80 drängen in den Markt. AMG reagiert mit konkreten Produktankündigungen: Im März wurde das AMG G 63 Cabriolet für den US‑Markt präsentiert, das 2028 ausgeliefert werden soll. Für Ende 2027 ist ein leistungsstärkeres CLE Coupe in Planung, zudem eine limitierte Mythos‑Edition des CLE mit nur 30 Exemplaren, die bereits vollständig reserviert ist. Abschließend rundet ein Black‑Series‑Modell das Portfolio ab, das als Homologationsfahrzeug für den GT3‑Rennsport dienen wird.
Die Reduktion der Motorvarianten von zehn auf vier mag auf den ersten Blick kontraproduktiv erscheinen, doch sie ermöglicht eine tiefere Integration von Hybrid‑ und Elektro‑Technologien. Durch die Konzentration auf wenige, aber leistungsstarke Antriebe kann AMG schneller auf regulatorische Veränderungen reagieren und gleichzeitig die Markenidentität als Performance‑Marke wahren.
Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeugentwicklung. In Affalterbach werden moderne Simulations‑ und Testverfahren eingesetzt, um die Entwicklungszyklen zu verkürzen. Dies ist besonders wichtig, wenn 27 neue Modelle in einem so engen Zeitfenster realisiert werden sollen.
Aus Sicht der Finanzanalysten ist das Vorhaben ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Die bisherigen Verkaufszahlen zeigen, dass AMG bereits ein starkes Wachstum verzeichnen konnte. Sollte das Unternehmen die angekündigten Modelle termingerecht auf den Markt bringen und dabei die Preis‑ und Margenstruktur halten, könnte das Ziel von 200.000 Fahrzeugen pro Jahr durchaus erreicht werden.
Insgesamt verdeutlicht die Ankündigung, dass Mercedes‑AMG plant 27 neue Modelle bis 2028, die Entschlossenheit der Marke, sowohl im traditionellen Verbrenner‑Segment als auch im vollelektrischen Bereich führend zu bleiben. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie erfolgreich die Strategie umgesetzt wird und welchen Einfluss sie auf die gesamte Premium‑Automobilbranche haben wird.




